Alltag & Bewegung4 Min. Lesezeit

COPD im Alltag: Lippenbremse, Haltung und Bewegung

Tatjana Gareis

Tatjana Gareis

Apothekerin

Älterer Mann in Mantel und Schiebermütze geht im herbstlichen Morgennebel einen Weg am Flussufer entlang

Kurz gesagt

Bei COPD hilft die Lippenbremse, die Luft gleichmäßiger auszuatmen: durch die Nase einatmen, dann langsam durch locker aufeinanderliegende Lippen ausatmen. Atemerleichternde Haltungen wie der Kutschersitz, regelmäßige Bewegung und vor allem der Rauchstopp verbessern den Alltag. Nehmen Beschwerden deutlich zu, sollten Sie zeitnah Ihre Arztpraxis kontaktieren.

Die Lippenbremse: einfach und überall einsetzbar

Bei COPD fallen die kleinen Atemwege beim Ausatmen leichter zusammen. Die Luft bleibt dann in der Lunge, und das Atmen wird anstrengend. Die Lippenbremse erzeugt einen leichten Gegendruck, der die Atemwege länger offen hält.

So geht es: Atmen Sie ruhig durch die Nase ein. Legen Sie dann die Lippen locker aufeinander und lassen Sie die Luft langsam ausströmen – etwa doppelt so lange, wie Sie eingeatmet haben. Nicht pressen, nicht pusten. Die Wangen bleiben entspannt. Die Übung oben gibt Ihnen den Takt vor.

Haltungen, die das Atmen erleichtern

Bei Atemnot hilft es, den Oberkörper abzustützen. Dann können sich die Atemmuskeln besser einbringen. Bewährt haben sich:

  • Kutschersitz: vorn auf der Stuhlkante sitzen, Unterarme auf den Oberschenkeln abstützen
  • Torwartstellung: im Stehen die Hände knapp über den Knien auf die Oberschenkel stützen
  • Abstützen im Stehen: Hände auf eine Fensterbank oder Tischkante legen
  • Mit erhöhtem Oberkörper liegen, wenn Atemnot nachts auftritt

Zum Ausprobieren

Lippenbremse zum Mitmachen

Durch die Nase einatmen

Die Lippen liegen locker aufeinander, die Wangen bleiben entspannt. Nicht pressen, nicht pusten.

Atemübung für den Alltag, keine Behandlung. Bei starker Atemnot in Ruhe wählen Sie bitte den Notruf 112.

Bewegung – in kleinen, regelmäßigen Schritten

Viele Menschen mit COPD bewegen sich weniger, weil Anstrengung Atemnot auslöst. Doch Schonung schwächt die Muskeln, und dann wird jede Treppe noch schwerer. Regelmäßige, angepasste Bewegung durchbricht diesen Kreislauf.

Ein täglicher Spaziergang, etwa an der Rur oder im Brückenkopf-Park, ist ein guter Anfang. Gehen Sie in Ihrem Tempo und kombinieren Sie die Bewegung mit der Lippenbremse. Lungensportgruppen bieten ein angeleitetes Training unter fachlicher Aufsicht – fragen Sie Ihre Arztpraxis danach.

Rauchstopp und Impfungen

Der Rauchstopp ist die wirksamste Maßnahme bei COPD – in jedem Alter und in jedem Stadium. Es ist nie zu spät. Unterstützung gibt es durch die Arztpraxis, Entwöhnungskurse und bei Bedarf Medikamente. Auch wir beraten Sie gern dazu.

Atemwegsinfekte können COPD verschlechtern. Besprechen Sie mit Ihrer Arztpraxis, welche Impfungen die Ständige Impfkommission für Sie empfiehlt, zum Beispiel gegen Grippe, Pneumokokken, Corona oder RSV.

Warnzeichen einer Verschlechterung

Achten Sie auf Veränderungen über mehrere Tage: mehr Atemnot als sonst, mehr oder verfärbter Auswurf, stärkerer Husten oder Fieber. Dann sollten Sie zeitnah Ihre Arztpraxis kontaktieren. Viele Praxen geben einen schriftlichen Aktionsplan für solche Situationen mit.

Bei schwerer Atemnot in Ruhe, Verwirrtheit oder bläulichen Lippen wählen Sie bitte sofort den Notruf 112.

Kraft einteilen im Alltag

Wer bei COPD schnell außer Atem kommt, kann seinen Tag so planen, dass anstrengende Aufgaben auf mehrere Zeitpunkte verteilt werden. Einkäufe in kleinen Mengen, ein Hocker in der Küche oder im Bad und Pausen auf halber Treppe schonen die Kraft, ohne dass Sie auf Bewegung verzichten.

Auch die Ernährung spielt eine Rolle. Mehrere kleine Mahlzeiten belasten weniger als wenige große, weil ein voller Magen das Zwerchfell einengt. Bei ungewolltem Gewichtsverlust sollten Sie das in der Arztpraxis ansprechen.

Und: Atemnot macht Angst, Angst verstärkt Atemnot. Die Lippenbremse und eine stabile Haltung geben in solchen Momenten Halt. Je öfter Sie beides in ruhigen Phasen üben, desto besser gelingt es, wenn es darauf ankommt.

Inhalatoren gehören dazu

Atemübungen ersetzen keine Medikamente, sie ergänzen sie. Wenden Sie Ihre Inhalatoren regelmäßig so an, wie es verordnet ist – auch an guten Tagen. Wer mehrere Geräte nutzt, verwechselt leicht die Technik. Ein kurzer Technik-Check in der Apotheke schafft hier Klarheit.

Häufige Fragen

Angebote wechseln immer wieder. Fragen Sie Ihre Arztpraxis oder Ihre Krankenkasse nach einer Lungensportgruppe in der Nähe. Wir halten auch in der Apotheke Augen und Ohren offen.

Ja. Wir beraten Sie zu Möglichkeiten der Unterstützung und dazu, welche Hilfsmittel zu Ihnen passen könnten. Sprechen Sie uns einfach an.

Am besten mehrmals täglich ein paar Minuten in Ruhe – dann gelingt sie bei Anstrengung oder Atemnot fast von selbst.

Ja. Bringen Sie alle Geräte mit, die Sie verwenden. Unter bestimmten Voraussetzungen ist die Inhalationsschulung eine Leistung der Krankenkasse.

Quellen

Fachliche Prüfung durch Tatjana Gareis ausstehend · Stand: Oktober 2026

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