Allergie & Jahreszeiten4 Min. Lesezeit

Pollensaison und Asthma: Wenn Heuschnupfen auf die Bronchien geht

Tatjana Gareis

Tatjana Gareis

Apothekerin

Blühende Zweige im tiefen Gegenlicht, aus einem Kätzchen stäubt eine feine Pollenwolke

Kurz gesagt

Ein unbehandelter Heuschnupfen kann sich auf die Bronchien ausweiten – man spricht vom Etagenwechsel. Wer in der Pollensaison Husten, pfeifende Atmung oder Atemnot bemerkt, sollte das ärztlich abklären lassen. Im Alltag helfen Pollenvorhersage, abends Haare waschen, Straßenkleidung außerhalb des Schlafzimmers ablegen und eine konsequent angewendete Behandlung.

Etagenwechsel: von der Nase in die Bronchien

Nase und Bronchien gehören zu denselben Atemwegen. Bei einer Pollenallergie entzünden sich zunächst meist Nase und Augen. Bleibt diese Entzündung über Jahre unbehandelt, kann sie sich auf die unteren Atemwege ausbreiten. Dann entsteht ein allergisches Asthma.

Typische Hinweise sind trockener Husten, vor allem nachts, ein Engegefühl in der Brust oder pfeifende Atmung in den Pollenmonaten. Wer das bemerkt, sollte nicht abwarten, sondern die Beschwerden in der Arztpraxis ansprechen.

Wann welche Pollen fliegen

In unserer Region beginnt die Saison oft schon im Winter mit Hasel und Erle. Im Frühjahr folgt die Birke, im Frühsommer die Gräser, im Spätsommer Beifuß und Ambrosia. Der Kalender oben zeigt eine grobe Orientierung.

Die tatsächliche Belastung hängt stark von der Witterung ab. Ein milder Winter kann die Saison um Wochen vorziehen, Regen spült die Luft vorübergehend sauber. Aktuelle Vorhersagen bietet zum Beispiel der Deutsche Wetterdienst mit seinem Pollenflug-Gefahrenindex.

Zum Ausprobieren

Pollenkalender

Pollenflug nach Monaten
PollenJFMAMJJASOND
HaselmöglichHauptzeitHauptzeitmöglichkaumkaumkaumkaumkaumkaumkaummöglich
ErlemöglichHauptzeitHauptzeitmöglichkaumkaumkaumkaumkaumkaumkaumkaum
BirkekaumkaummöglichHauptzeitmöglichkaumkaumkaumkaumkaumkaumkaum
GräserkaumkaumkaumkaumHauptzeitHauptzeitHauptzeitmöglichkaumkaumkaumkaum
RoggenkaumkaumkaumkaumHauptzeitHauptzeitmöglichkaumkaumkaumkaumkaum
BeifußkaumkaumkaumkaumkaumkaummöglichHauptzeitmöglichkaumkaumkaum
AmbrosiakaumkaumkaumkaumkaumkaumkaumHauptzeitHauptzeitmöglichkaumkaum

Oktober: Keine typische Hauptzeit. Möglich: Ambrosia.

Grobe Orientierung für unsere Region – je nach Witterung beginnt und endet der Pollenflug früher oder später. Aktuelle Vorhersage z. B. beim Deutschen Wetterdienst.

Alltagstipps in der Pollensaison

Pollen ganz zu meiden, ist kaum möglich. Doch einige Gewohnheiten senken die Menge, die Sie abbekommen:

  • Abends die Haare waschen, damit die Pollen nicht im Kopfkissen landen
  • Straßenkleidung nicht im Schlafzimmer ausziehen und lagern
  • Wäsche in starken Pollenzeiten nicht im Freien trocknen
  • Gezielt lüften: in der Stadt eher morgens, auf dem Land eher abends
  • Pollenschutzfilter im Auto prüfen lassen, Fenster während der Fahrt geschlossen halten
  • Nach Regen draußen aktiv sein, wenn die Luft gereinigt ist

Behandlung konsequent anwenden

Ist ein Asthma bekannt, ist die verordnete Dauertherapie in der Pollensaison besonders wichtig. Setzen Sie sie nicht eigenmächtig ab, nur weil es Ihnen gerade gut geht. Wenn Sie Ihr Bedarfsspray häufiger brauchen, ist das ein Signal für ein Gespräch mit der Arztpraxis.

Gegen den Heuschnupfen selbst gibt es Nasensprays und Tabletten, die zum Teil rezeptfrei erhältlich sind. Welche Mittel zu Ihnen und Ihrer übrigen Behandlung passen, besprechen wir gern mit Ihnen.

Die Ursache behandeln: Hyposensibilisierung

Bei einer Pollenallergie kann eine spezifische Immuntherapie, auch Hyposensibilisierung genannt, sinnvoll sein. Dabei wird der Körper über einen längeren Zeitraum schrittweise an das Allergen gewöhnt – als Spritze oder als Tropfen und Tabletten unter die Zunge.

Ob diese Behandlung infrage kommt, entscheidet eine allergologische Praxis. Sie beginnt meist außerhalb der Saison. Wer sie in Erwägung zieht, spricht das am besten im Herbst oder Winter an.

Kreuzreaktionen mit Lebensmitteln

Manche Menschen mit Birkenpollenallergie bemerken beim Essen von rohen Äpfeln, Nüssen oder Steinobst ein Kribbeln im Mund. Das liegt an ähnlichen Eiweißen in Pollen und Lebensmitteln und wird Kreuzreaktion genannt. Gekochtes oder gebackenes Obst wird oft besser vertragen.

Treten nach dem Essen Schwellungen im Gesicht, Atemnot oder Kreislaufbeschwerden auf, ist das ein Notfall – dann sofort den Notruf 112 wählen. Leichtere Beschwerden sollten Sie in der Arztpraxis ansprechen, damit Sie wissen, worauf Sie achten müssen.

Auch Nasensprays und Augentropfen wirken am besten, wenn sie regelmäßig angewendet werden und nicht erst, wenn die Beschwerden schon stark sind.

Ein Beschwerdetagebuch hilft

Notieren Sie in der Saison kurz, an welchen Tagen Nase, Augen oder Bronchien Beschwerden machen und wie oft Sie Ihr Bedarfsspray brauchen. Zusammen mit der Pollenvorhersage zeigt sich so oft ein Muster. Diese Notizen sind auch für das Gespräch in der Arztpraxis wertvoll.

Häufige Fragen

Hasel und Erle können je nach Witterung schon im Januar fliegen. Eine verlässliche Tagesvorhersage für unsere Region bietet der Deutsche Wetterdienst.

Es gibt Nasensprays, Augentropfen und Tabletten gegen allergische Beschwerden. Wir beraten Sie in der Rur-Apotheke in Jülich, was zu Ihnen und Ihren übrigen Medikamenten passt.

Häufig ja. Günstig sind Zeiten mit geringer Belastung, zum Beispiel nach einem Regenschauer. Ihr Bedarfsspray sollte immer dabei sein.

Eine gut sitzende Maske kann die Menge an eingeatmeten Pollen verringern, etwa bei der Gartenarbeit. Sie ersetzt aber keine Behandlung.

Quellen

Fachliche Prüfung durch Tatjana Gareis ausstehend · Stand: Oktober 2026

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