Alltag & Technik4 Min. Lesezeit
Insulinpen richtig anwenden: Die 7 häufigsten Fehler

Eva Schraut
Fachapothekerin für Allgemeinpharmazie · Schwerpunkt Diabetes

Kurz gesagt
Für eine sichere Insulingabe mit dem Pen gilt: für jede Injektion eine neue Nadel, vorher den Sicherheitstest laut Gebrauchsanweisung, die Spritzstelle regelmäßig wechseln und die Nadel nach dem Drücken noch einige Sekunden in der Haut lassen. Unangebrochene Pens gehören in den Kühlschrank, der Pen in Gebrauch meist zu Raumtemperatur – maßgeblich ist immer die Packungsbeilage Ihres Insulins.
Warum kleine Fehler eine große Rolle spielen
Ein Insulinpen ist einfach zu bedienen. Gerade deshalb schleichen sich im Alltag Gewohnheiten ein. Die Nadel bleibt ein paar Tage drauf. Es wird immer an derselben Stelle gespritzt. Der Pen liegt im Sommer im Auto.
Jeder dieser Punkte kann dazu führen, dass weniger Insulin wirkt als gedacht – oder ungleichmäßig. Das zeigt sich dann an schwankenden Werten, für die es scheinbar keinen Grund gibt. Die gute Nachricht: Alle sieben Fehler lassen sich mit wenigen Handgriffen vermeiden.
Fehler 1 und 2: Alte Nadel, kein Sicherheitstest
Pen-Nadeln sind für den einmaligen Gebrauch gedacht. Schon nach einer Injektion ist die feine Spitze stumpfer und kann verbiegen. Das Spritzen wird unangenehmer, und in der Nadel kann Insulin auskristallisieren. Deshalb gilt: für jede Injektion eine neue Nadel.
Vor jeder Injektion gehört der Sicherheitstest dazu. Dabei wird eine kleine Menge Insulin abgegeben, bis ein Tropfen an der Nadelspitze erscheint. So prüfen Sie, ob Pen und Nadel durchgängig sind und keine Luft im Weg ist. Wie viele Einheiten Sie dafür einstellen, steht in der Gebrauchsanweisung Ihres Pens – häufig sind es zwei Einheiten, aber nicht bei jedem Modell.
Zum Ausprobieren
Der Pen in sieben Schritten
Schritt 1 von 7
Neue Nadel aufsetzen
Schutzsiegel abziehen, Nadel gerade aufschrauben, beide Kappen abnehmen.
Schematische Darstellung. Maßgeblich ist die Gebrauchsanweisung Ihres Pens.
Fehler 3: Immer dieselbe Spritzstelle
Wer immer an dieselbe Stelle spritzt, riskiert Verhärtungen im Unterhautfettgewebe. Fachleute sprechen von Lipohypertrophie. Diese Stellen tun beim Spritzen oft weniger weh – darum werden sie gern genutzt. Das Insulin wird dort aber unzuverlässig aufgenommen.
Besser ist ein fester Wechselplan. Teilen Sie zum Beispiel den Bauch gedanklich in vier Felder und wechseln Sie jede Woche das Feld. Innerhalb eines Feldes setzen Sie jede Injektion etwa einen Finger breit neben die letzte. Tasten Sie Ihre Spritzstellen regelmäßig ab. Fühlt sich eine Stelle gummiartig oder dick an, lassen Sie sie aus und sprechen Sie uns oder Ihre Diabetespraxis an.
Fehler 4 und 5: Zu schnell herausgezogen, trübes Insulin nicht gemischt
Nach dem vollständigen Herunterdrücken des Dosierknopfes braucht das Insulin einen Moment, um vollständig aus der Nadel zu fließen. Ziehen Sie den Pen zu früh heraus, tritt ein Teil wieder aus. Lassen Sie die Nadel deshalb noch einige Sekunden in der Haut – meist werden etwa zehn Sekunden empfohlen. Die genaue Zeit nennt die Gebrauchsanweisung.
Trübes Verzögerungsinsulin (NPH-Insulin) und manche Mischinsuline setzen sich ab. Sie müssen vor der Anwendung gleichmäßig gemischt werden, indem man den Pen mehrmals schwenkt und kippt. Nicht schütteln. Klare Insuline brauchen das nicht.
Fehler 6 und 7: Falsche Lagerung und Nadel auf dem Pen
Insulin ist empfindlich gegenüber Frost, Hitze und direkter Sonne. Unangebrochene Pens lagern Sie im Kühlschrank, aber nicht direkt an der Rückwand oder im Gefrierfach. Eingefrorenes Insulin darf nicht mehr verwendet werden. Den Pen, den Sie gerade benutzen, bewahren Sie in der Regel bei Raumtemperatur auf. Wie lange er dann haltbar ist und bis zu welcher Temperatur, unterscheidet sich je nach Insulin. Schreiben Sie sich das Anbruchdatum auf den Pen.
Nach der Injektion wird die Nadel sofort abgeschraubt und sicher entsorgt, zum Beispiel in einem durchstichsicheren Behälter. Bleibt sie auf dem Pen, kann Luft hinein- oder Insulin herauslaufen. Dann stimmt die nächste Dosis womöglich nicht.
- Neue Nadel für jede Injektion
- Sicherheitstest laut Gebrauchsanweisung
- Spritzstellen nach Plan wechseln
- Nadel nach dem Drücken einige Sekunden in der Haut lassen
- Trübes Insulin vorher schwenken, nicht schütteln
- Lagerung laut Packungsbeilage, nie einfrieren
- Nadel nach der Injektion abschrauben und entsorgen
Häufige Fragen
Quellen
Fachliche Prüfung durch Eva Schraut ausstehend · Stand: Oktober 2026



