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Unterzucker: Anzeichen erkennen und richtig handeln

Eva Schraut
Fachapothekerin für Allgemeinpharmazie · Schwerpunkt Diabetes

Kurz gesagt
Typische Anzeichen einer Unterzuckerung sind Zittern, Schwitzen, Herzklopfen, Heißhunger und Konzentrationsprobleme. Wer wach ist und schlucken kann, nimmt etwa 15 bis 20 Gramm schnell wirkende Kohlenhydrate, etwa Traubenzucker, und misst nach rund 15 Minuten erneut. Bei Bewusstlosigkeit nichts in den Mund geben, sondern sofort den Notruf 112 wählen.
Was eine Unterzuckerung ist
Von einer Unterzuckerung (Hypoglykämie) spricht man meist, wenn der Blutzucker unter 70 mg/dl beziehungsweise 3,9 mmol/l fällt. Betroffen sind vor allem Menschen, die Insulin spritzen oder bestimmte Tabletten nehmen, die die Insulinausschüttung anregen.
Häufige Auslöser sind eine ausgelassene Mahlzeit, mehr Bewegung als geplant, Alkohol oder eine zu hohe Insulindosis. Auch eine Spritzstelle, die stark durchblutet wird – etwa nach einem heißen Bad –, kann die Wirkung beschleunigen.
Anzeichen: Der Körper schlägt Alarm
Die Anzeichen sind von Mensch zu Mensch verschieden. Viele spüren zuerst Zittern, Schwitzen, Herzklopfen, Blässe, Heißhunger oder innere Unruhe. Später kommen Konzentrationsprobleme, Sehstörungen, Sprachschwierigkeiten, Verwirrtheit oder ein verändertes Verhalten dazu, das andere manchmal für Betrunkenheit halten.
Wer schon lange Diabetes hat oder häufig unterzuckert, spürt die Warnzeichen mitunter schwächer. Nächtliche Unterzuckerungen zeigen sich manchmal nur durch Albträume, nasse Kleidung oder Kopfschmerzen am Morgen. Sprechen Sie solche Beobachtungen in Ihrer Praxis an.
Zum Ausprobieren
Unterzucker-Ampel: Was ist jetzt zu tun?
Wach, kann sicher schlucken, hilft sich selbst.
- 115–20 g schnelle Kohlenhydrate
- 2Nach etwa 15 Minuten erneut messen
- 3Bei Bedarf wiederholen, dann laut Plan etwas Langsames essen
Faustregel für Erwachsene. Für Kinder und bei Insulinpumpe gelten oft eigene Vorgaben aus Ihrem Behandlungsplan.
Die 15er-Faustregel für leichte Unterzuckerungen
Sind Sie wach und können sicher schlucken, hilft eine einfache Faustregel. Sie ersetzt nicht Ihren persönlichen Behandlungsplan – für Kinder und für Menschen mit Insulinpumpe gelten oft eigene Mengen.
- Etwa 15 bis 20 Gramm schnell wirkende Kohlenhydrate nehmen, zum Beispiel Traubenzucker oder ein kleines Glas Saft
- Rund 15 Minuten warten und erneut messen
- Ist der Wert noch zu niedrig: noch einmal schnelle Kohlenhydrate nehmen
- Danach je nach Plan etwas Langsames essen, etwa ein Brot, wenn die nächste Mahlzeit noch dauert
- Kein Auto fahren, bis der Wert sicher wieder im Zielbereich ist
Schwere Unterzuckerung: Andere müssen helfen
Schwer ist eine Unterzuckerung, wenn die betroffene Person sich nicht mehr selbst helfen kann. Ist sie noch wach und kann schlucken, geben Angehörige schnelle Kohlenhydrate. Ist sie bewusstlos oder kann nicht sicher schlucken, gilt: nichts in den Mund geben, Notruf 112 wählen, die Person in die stabile Seitenlage bringen.
Ist ein Glukagon-Notfallset verordnet, können geschulte Angehörige es nach Anleitung anwenden. Niemals Insulin geben. Nach einer schweren Unterzuckerung sollte die Behandlung immer ärztlich überprüft werden.
Vorbereitet sein: Angehörige und Notfallkarte
Erklären Sie Ihren Angehörigen, Kolleginnen und Kollegen, woran sie eine Unterzuckerung erkennen und was zu tun ist. Zeigen Sie, wo Traubenzucker und gegebenenfalls das Notfallset liegen. Tragen Sie einen Diabetes-Ausweis oder eine Notfallkarte bei sich. Traubenzucker gehört in jede Jackentasche, ins Auto und auf den Nachttisch.
Nach der Unterzuckerung: Ursache finden
Ist die Unterzuckerung überstanden, lohnt sich ein kurzer Blick zurück. Was war anders als sonst? Eine kleinere Mahlzeit, mehr Bewegung, Alkohol am Vorabend, eine neue Spritzstelle oder ein neues Medikament? Notieren Sie Uhrzeit, Wert und vermutete Ursache.
Treten Unterzuckerungen häufiger auf, nachts oder ohne erkennbaren Grund, sprechen Sie zeitnah mit Ihrer Diabetespraxis. Oft lässt sich die Therapie anpassen. Auch nach Alkohol kann der Blutzucker noch viele Stunden später fallen – messen Sie dann vor dem Schlafen und essen Sie gegebenenfalls eine Kleinigkeit.
Nehmen Sie Ihr Protokoll zum nächsten Termin mit. Auch wir schauen es uns in der Apotheke gern mit Ihnen an, zum Beispiel wenn kürzlich ein neues Medikament dazugekommen ist. Manche Arzneimittel können Warnzeichen einer Unterzuckerung abschwächen oder die Wirkung blutzuckersenkender Mittel verstärken. Dann ist es gut, wenn alle Beteiligten Bescheid wissen.
Häufige Fragen
Quellen
Fachliche Prüfung durch Eva Schraut ausstehend · Stand: Oktober 2026



