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Essen mit Diabetes: Das Teller-Prinzip statt Verbotsliste

Eva Schraut

Eva Schraut

Fachapothekerin für Allgemeinpharmazie · Schwerpunkt Diabetes

Draufsicht auf einen Teller mit viel buntem Gemüse, gegrilltem Fisch, Linsen und Kartoffeln auf einem Holztisch

Kurz gesagt

Mit Diabetes gibt es keine grundsätzlich verbotenen Lebensmittel. Als einfache Orientierung hilft das Teller-Prinzip: etwa die Hälfte Gemüse oder Salat, ein Teil eiweißreiche Lebensmittel und ein Teil Kohlenhydrate, möglichst aus Vollkorn. Wie viele Kohlenhydrate zu Ihrer Therapie passen, besprechen Sie mit Ihrer Praxis oder einer Ernährungsberatung.

Warum Verbotslisten selten helfen

Nach der Diagnose Diabetes hören viele Menschen zuerst, was sie alles nicht mehr essen dürfen. Das verunsichert und macht das Essen zur Last. Dabei empfehlen Fachleute heute für Menschen mit Diabetes im Grunde dasselbe wie für alle: ausgewogen, abwechslungsreich und mit viel Gemüse.

Spezielle Diabetiker-Lebensmittel braucht es nicht. Sie sind oft teuer und bringen keinen Vorteil. Auch ein Stück Kuchen am Sonntag ist nicht verboten. Entscheidend ist, was Sie über den Tag und die Woche hinweg essen – und wie das zu Ihren Medikamenten passt.

Das Teller-Prinzip: ein Bild statt Rechnen

Das Teller-Prinzip ist eine einfache Hilfe für den Alltag. Stellen Sie sich Ihren Teller in drei Bereiche geteilt vor. Die größte Fläche, etwa die Hälfte, gehört Gemüse oder Salat. Ein Viertel füllen eiweißreiche Lebensmittel wie Fisch, Hülsenfrüchte, Eier, Tofu, mageres Fleisch oder Milchprodukte. Das letzte Viertel sind kohlenhydratreiche Beilagen wie Kartoffeln, Vollkornnudeln, Naturreis oder Brot.

So entsteht fast von selbst eine Mahlzeit, die gut sättigt und den Blutzucker eher gleichmäßig ansteigen lässt. Ballaststoffe aus Gemüse und Vollkorn verlangsamen die Aufnahme von Zucker ins Blut. Eiweiß hält lange satt. Sie müssen dafür nichts abwiegen.

  • Etwa die Hälfte: Gemüse oder Salat
  • Ein Viertel: Eiweiß, zum Beispiel Fisch, Linsen, Ei oder Quark
  • Ein Viertel: Kohlenhydrate, möglichst aus Vollkorn
  • Dazu: Wasser oder ungesüßter Tee

Zum Ausprobieren

Ihr Teller – zusammengestellt in vier Tipps

Tippen Sie auf einen Baustein, um den Teller zu füllen.

Orientierungshilfe ohne Mengen- oder Kalorienangaben. Wie viele Kohlenhydrate zu Ihrer Therapie passen, klären Sie mit Ihrer Praxis.

Kohlenhydrate: nicht weglassen, sondern klug wählen

Kohlenhydrate lassen den Blutzucker am stärksten steigen. Trotzdem sind sie kein Feind. Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Kartoffeln und Obst liefern wichtige Ballaststoffe und Vitamine. Weißmehl, Süßigkeiten und gezuckerte Getränke lassen den Blutzucker dagegen schnell und stark ansteigen.

Besonders gesüßte Getränke wie Limonade, Eistee oder Saft sind tückisch, weil der Zucker sehr schnell ins Blut geht und kaum satt macht. Wer Insulin spritzt, muss die Menge der Kohlenhydrate oft abschätzen, um die passende Dosis zu wählen. Wie das bei Ihnen funktioniert, lernen Sie in einer Diabetesschulung. Dort erfahren Sie auch, ob und wie Sie Kohlenhydrate zählen sollten.

Im Alltag: Einkaufen, Kochen, Essen gehen

Planen Sie Ihren Einkauf ein wenig vor und beginnen Sie im Laden bei Obst und Gemüse. Tiefkühlgemüse ohne Soße ist eine gute, preiswerte Alternative zu frischem. Hülsenfrüchte aus der Dose sind schnell zubereitet. Lesen Sie bei Fertigprodukten die Zutatenliste: Zucker versteckt sich auch hinter Begriffen wie Glukosesirup, Dextrose oder Maltodextrin.

Im Restaurant oder bei Familienfeiern hilft das Teller-Bild ebenfalls. Nehmen Sie zuerst Gemüse und Salat, dann Eiweiß, dann die Beilage. Essen Sie langsam. Und wenn es doch einmal mehr wird: Ein Spaziergang nach dem Essen kann den Blutzucker zusätzlich ausgleichen.

Essen und Medikamente gehören zusammen

Wer Insulin oder bestimmte Tabletten wie Sulfonylharnstoffe nimmt, muss Essen und Medikament aufeinander abstimmen. Fällt eine Mahlzeit aus oder ist sie deutlich kleiner als sonst, kann der Blutzucker zu stark sinken. Sprechen Sie mit Ihrer Praxis, wie Sie dann vorgehen.

Auch Alkohol kann bei diesen Medikamenten zu Unterzucker führen, manchmal erst Stunden später in der Nacht. Trinken Sie Alkohol deshalb, wenn überhaupt, zum Essen und in Maßen. Bei Fragen zu Ihren Medikamenten und dem Essen beraten wir Sie gern in der Apotheke. Für eine ausführliche Ernährungsberatung kann Ihre Arztpraxis Sie an eine qualifizierte Fachkraft überweisen.

Häufige Fragen

Diabetesschulungen werden von Arztpraxen mit Diabetes-Schwerpunkt angeboten. Fragen Sie Ihre Hausarztpraxis nach einer Überweisung. Wir helfen Ihnen in der Rur-Apotheke gern bei der Orientierung.

Ja. Ganzes Obst enthält Ballaststoffe und Vitamine. Verteilen Sie es über den Tag. Saft und Smoothies lassen den Blutzucker dagegen schneller steigen.

Nein, spezielle Diabetiker-Lebensmittel sind nicht nötig. Zu Süßungsmitteln beraten wir Sie gern in der Kleinen Kölnstraße 16.

Ja. Bringen Sie Ihren Medikationsplan mit. Wir erklären, welche Mittel zum Essen, davor oder danach eingenommen werden – maßgeblich bleibt die Vorgabe Ihrer Praxis.

Quellen

Fachliche Prüfung durch Eva Schraut ausstehend · Stand: Oktober 2026

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