Notfall & Reisen4 Min. Lesezeit

Krank mit Diabetes: Was bei Infekt, Fieber und Magen-Darm gilt

Eva Schraut

Eva Schraut

Fachapothekerin für Allgemeinpharmazie · Schwerpunkt Diabetes

Eine dampfende Teetasse, ein Fieberthermometer und eine Taschentuchbox auf einem Nachttisch neben einem Bett

Kurz gesagt

Bei Infekten und Fieber steigt der Blutzucker oft, bei Erbrechen oder wenig Essen kann er auch fallen. Messen Sie häufiger, trinken Sie ausreichend und lassen Sie Insulin nicht eigenmächtig weg. Ob bestimmte Tabletten wie Metformin oder SGLT2-Hemmer bei Erbrechen oder Durchfall pausiert werden, entscheidet Ihre Praxis – besprechen Sie das am besten vorab.

Warum Krankheit den Blutzucker durcheinanderbringt

Bei einem Infekt schüttet der Körper Stresshormone aus. Sie lassen den Blutzucker steigen – oft auch dann, wenn man kaum etwas isst. Gleichzeitig kann bei Erbrechen, Durchfall oder Appetitlosigkeit zu wenig Nahrung ankommen. Dann droht bei Insulin oder bestimmten Tabletten ein Unterzucker.

Diese Mischung macht Krankheitstage schwer berechenbar. Darum empfehlen Fachleute, sich mit der Praxis schon vorab Regeln für Krankheitstage zurechtzulegen. Fachleute sprechen von „Sick-Day-Regeln“. Wer sie kennt, muss im Ernstfall nicht lange überlegen.

Auch kleine Infekte wie eine Erkältung oder ein entzündeter Zahn können die Werte verändern. Bei schweren Infekten wie Grippe oder Lungenentzündung ist die Wirkung oft deutlich stärker. Impfungen, etwa gegen Grippe, können bei Diabetes deshalb besonders sinnvoll sein. Sprechen Sie Ihre Praxis darauf an.

Die wichtigsten Grundregeln

Messen Sie häufiger als sonst, auch nachts, wenn es Ihnen schlecht geht. Mit Sensor achten Sie auf Alarme und den Verlauf. Trinken Sie regelmäßig, am besten in kleinen Schlucken – Fieber, Erbrechen und Durchfall entziehen dem Körper viel Flüssigkeit.

Lassen Sie Insulin nicht eigenmächtig weg. Der Körper braucht auch bei Krankheit Insulin, oft sogar mehr. Wie Sie die Dosis anpassen, sollte in Ihrem Behandlungsplan stehen. Fehlt so ein Plan, rufen Sie Ihre Praxis an.

Können Sie nicht normal essen, helfen leicht verdauliche Kohlenhydrate in kleinen Portionen, zum Beispiel Zwieback, Haferschleim oder Banane. Bitten Sie Angehörige, öfter nach Ihnen zu sehen, wenn Sie allein leben.

  • Häufiger messen, auch nachts
  • Ausreichend trinken
  • Insulin nicht eigenmächtig weglassen
  • Bei Typ-1-Diabetes Ketone messen, wenn der Plan es vorsieht
  • Medikamente nur nach ärztlicher Absprache pausieren
  • Frühzeitig Hilfe holen

Zum Ausprobieren

Darf ich abwarten? Die Krankheitstag-Ampel

Wählen Sie die Situation, die am besten passt.

Allgemeine Orientierung, keine Diagnose und keine Therapieanweisung. Maßgeblich sind Ihr Behandlungsplan und die Einschätzung Ihrer Praxis.

Typ-1-Diabetes: Ketone im Blick

Bei Typ-1-Diabetes kann bei Insulinmangel eine gefährliche Übersäuerung entstehen, die Ketoazidose. Sie kündigt sich oft durch Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, großen Durst, tiefe Atmung oder einen obstartigen Atemgeruch an. Wer hohe Werte hat, misst laut Plan die Ketone im Blut oder Urin.

Steigen die Ketone, ist rasches Handeln nach Ihrem Plan nötig. Bei deutlicher Verschlechterung, Bewusstseinstrübung oder anhaltendem Erbrechen rufen Sie den Notruf 112. Auch unter bestimmten Tabletten wie SGLT2-Hemmern kann eine Ketoazidose auftreten, manchmal sogar bei nur leicht erhöhtem Blutzucker.

Tabletten bei Erbrechen und Durchfall

Einige Diabetes-Medikamente können bei Flüssigkeitsmangel problematisch werden. Dazu gehören Metformin und SGLT2-Hemmer, aber auch manche Blutdruckmittel und Entwässerungstabletten. Ob und wie lange solche Mittel bei Erbrechen oder Durchfall pausiert werden, entscheidet Ihre Praxis.

Bitte setzen Sie nichts auf eigene Faust ab. Fragen Sie am besten schon jetzt, in einer gesunden Phase, was Sie im Krankheitsfall tun sollen, und lassen Sie es sich aufschreiben. In der Apotheke helfen wir Ihnen, diese Liste zu erstellen und Ihre Medikamente zuzuordnen.

Zuckerfreie Mittel und wann ärztliche Hilfe nötig ist

Hustensäfte, Lutschtabletten und Halsbonbons enthalten oft Zucker. Fragen Sie nach zuckerfreien Alternativen oder berücksichtigen Sie den Zucker. Einige Erkältungsmittel können zudem den Blutzucker beeinflussen – wir beraten Sie gern, was zu Ihrer Therapie passt.

Wenden Sie sich an Ihre Praxis oder den ärztlichen Bereitschaftsdienst 116 117, wenn das Fieber anhält, Sie nichts bei sich behalten können oder der Blutzucker trotz Ihres Plans dauerhaft zu hoch oder zu niedrig ist. Rufen Sie den Notruf 112 bei Bewusstseinstrübung, starker Atemnot, schweren Bauchschmerzen oder einer schweren Unterzuckerung.

WerkzeugNotfallkarte erstellenIhre Diabetes-Notfallkarte im Scheckkartenformat – zum Ausdrucken.Jetzt öffnen

Häufige Fragen

Ja. Fragen Sie uns in der Kleinen Kölnstraße 16. Wir achten darauf, dass das Mittel zu Ihrem Diabetes und Ihren übrigen Medikamenten passt.

Außerhalb der Sprechzeiten erreichen Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117. In lebensbedrohlichen Situationen wählen Sie den Notruf 112.

Ja, wir beraten Sie zu Keton-Teststreifen und passenden Messgeräten. Ob und wann Sie Ketone messen sollen, legt Ihr Behandlungsplan fest.

Das hängt vom Medikament ab. Bitte nichts eigenmächtig absetzen – klären Sie das mit Ihrer Praxis. Wir helfen gern, die Fragen vorab zu sortieren.

Quellen

Fachliche Prüfung durch Eva Schraut ausstehend · Stand: Oktober 2026

Das könnte Sie auch interessieren

Krankheitstage vorbereiten

Mit Eva Schraut persönlich besprechen

Wir helfen Ihnen, Ihre Medikamente für den Krankheitsfall zu sortieren.

Einfach vorbeikommen

Kleine Kölnstr. 16, 52428 Jülich

Mo–Fr 08:00–18:30 · Sa 08:00–13:00

Parkplatz vor der Tür, barrierefrei

Route planen

WhatsApp schreiben

Schreiben Sie uns Ihre Frage – wir antworten während der Öffnungszeiten.

Chat öffnen

Rückruf oder Termin

Wir rufen Sie zurück und stimmen einen Gesprächstermin mit Ihnen ab.

Rückruf anfragen

Ihre Anfrage wird als E-Mail vorbereitet – noch keine feste Buchung.

Dieser Ratgeber ersetzt keine ärztliche Behandlung.