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Diabetischer Fuß: tägliche Pflege und Warnzeichen

Eva Schraut
Fachapothekerin für Allgemeinpharmazie · Schwerpunkt Diabetes

Kurz gesagt
Bei Diabetes sollten Sie Ihre Füße jeden Tag ansehen – auch Sohlen und Zehenzwischenräume, notfalls mit einem Spiegel. Weil Nervenschäden Schmerzen dämpfen können, sind Wunden, Blasen, Rötung oder ein warmer, geschwollener Fuß Warnzeichen, die rasch ärztlich abgeklärt werden müssen – auch ohne Schmerz.
Warum die Füße besondere Aufmerksamkeit brauchen
Ein über Jahre erhöhter Blutzucker kann Nerven und Blutgefäße schädigen. Dann spüren die Füße Druck, Hitze oder kleine Verletzungen weniger. Ein Steinchen im Schuh oder eine Blase fällt nicht auf. Gleichzeitig heilen Wunden bei schlechter Durchblutung langsamer.
Aus einer kleinen Druckstelle kann so eine schwer heilende Wunde werden. Fachleute sprechen vom diabetischen Fußsyndrom. Die meisten dieser Probleme lassen sich durch tägliche Kontrolle, gute Pflege und passende Schuhe früh erkennen.
Tägliche Kontrolle: hinsehen statt spüren
Sehen Sie sich Ihre Füße jeden Tag bei gutem Licht an. Achten Sie auf Rötungen, Blasen, Risse, Hornhaut, Verfärbungen, Schwellungen und Veränderungen an den Nägeln. Vergessen Sie nicht die Fußsohle, die Ferse und die Zwischenräume der Zehen. Ein Handspiegel hilft, wenn Sie sich nicht gut bücken können. Alternativ schaut ein Angehöriger mit.
Fühlen Sie mit dem Handrücken die Temperatur. Ist ein Fuß deutlich wärmer als der andere, ist das ein Warnzeichen.
Zum Ausprobieren
Der 30-Sekunden-Fuß-Check
Setzen Sie sich, nehmen Sie den Spiegel zur Hand und beantworten Sie sechs kurze Fragen – für beide Füße.
Der Check ersetzt keine ärztliche Untersuchung. Ihre Antworten werden nicht gespeichert.
Pflege: waschen, trocknen, cremen
Waschen Sie die Füße mit lauwarmem Wasser. Prüfen Sie die Wassertemperatur mit einem Thermometer oder dem Ellenbogen, nicht mit dem Fuß. Fußbäder nur kurz, damit die Haut nicht aufweicht. Trocknen Sie danach gründlich ab, besonders zwischen den Zehen.
Trockene Haut reißt leicht. Eine harnstoffhaltige Fußcreme hält sie geschmeidig – aber nicht zwischen den Zehen auftragen. Nägel feilen Sie besser gerade, statt sie zu schneiden. Hornhaut, Hühneraugen und eingewachsene Nägel behandeln Sie nicht selbst mit Klingen oder Hühneraugenpflastern. Dafür gibt es die medizinische Fußpflege (Podologie), die bei diabetischem Fußsyndrom ärztlich verordnet werden kann.
Schuhe und Strümpfe: Druck vermeiden
Kaufen Sie Schuhe am Nachmittag, wenn die Füße etwas dicker sind. Sie sollten weit genug sein und keine drückenden Nähte haben. Tasten Sie vor dem Anziehen mit der Hand ins Innere, ob Fremdkörper oder Falten in der Einlegesohle stecken. Gehen Sie nicht barfuß, auch nicht zu Hause oder am Strand.
Wählen Sie Strümpfe ohne einschneidende Bündchen und dicke Nähte, und wechseln Sie sie täglich. Wärmflaschen und Heizkissen direkt am Fuß sind tabu – Verbrennungen werden oft nicht bemerkt.
Warnzeichen: wann sofort zum Arzt
Jede Wunde, Blase oder offene Stelle am Fuß gehört zeitnah in ärztliche Hände – auch wenn sie nicht weh tut. Ein plötzlich geröteter, warmer und geschwollener Fuß muss noch am selben Tag ärztlich angesehen werden, selbst ohne Wunde und ohne Schmerzen. Dahinter kann eine Entzündung oder eine Schädigung der Fußknochen stecken.
Kommen Fieber, Schüttelfrost oder eine sich ausbreitende Rötung hinzu, ist das ein Notfall. Unabhängig davon sollten Ihre Füße mindestens einmal im Jahr ärztlich untersucht werden. In der Rur-Apotheke berät Sie unsere Wundmanagerin Inge Grooß zur Versorgung von Wunden, die ärztlich behandelt werden.
Kleine Gewohnheiten, große Wirkung
Rauchen verschlechtert die Durchblutung der Füße zusätzlich. Ein Rauchstopp ist deshalb einer der wirksamsten Schritte für gesunde Füße. Auch gut eingestellte Blutzucker-, Blutdruck- und Blutfettwerte schützen Nerven und Gefäße langfristig.
Bewegung hält die Durchblutung in Schwung. Spaziergänge in gut sitzenden Schuhen, Zehengymnastik oder Fußkreisen im Sitzen sind einfache Übungen für jeden Tag. Lassen Sie sich bei Taubheit, Kribbeln oder brennenden Füßen ärztlich beraten – diese Beschwerden sind ein Hinweis auf Nervenschäden und sollten nicht hingenommen werden.
Sprechen Sie Probleme an den Füßen offen an – in der Praxis wie bei uns. Viele Menschen schämen sich für Hornhaut, Nagelpilz oder Druckstellen. Doch gerade diese kleinen Dinge früh zu behandeln, schützt vor größeren Problemen.
Häufige Fragen
Quellen
Fachliche Prüfung durch Eva Schraut ausstehend · Stand: Oktober 2026



